Was wäre, wenn Pornofilme die Realität zeigen würden?

Aus Pornofilmen sind wir es gewöhnt, dass die Darsteller über eine außerordentlich standhafte und umfangreiche männliche Ausstattung verfügen, immer zum Höhepunkt kommen und dies gleich mehrmals hintereinander. Frauen sind durchgehend außer sich vor Lust und finden alles toll, was ein Mann mit ihnen anstellt. Und natürlich gibt es auch bei den Frauen fulminante Orgasmen mit Ejakulationen, die Fontänen gleichen. Dasselbe gilt sicherlich auch für Filme mit gleichgeschlechtlichen Partnern und Partnerinnen. Auch hier läuft alles wie geschmiert. Von sexuellen Problemen jeglicher Art keine Spur.

Natürlich wissen wir im Grunde unseres Herzens, dass dies nicht die Realität ist. Immerhin haben wir alle unsere eigenen Erfahrungen gemacht. So haben wir am eigenen Körper erlebt, wie unterschiedlich wir bei der schönsten Nebensache der Welt reagieren können. Aber anstatt nun über die tollkühnen Leistungen der Darsteller und Darstellerinnen zu lachen, grämen wir uns, weil wir nicht so leistungsfähig zu sein scheinen. Selbst wenn wir wirklich kein bisschen daran interessiert sind, Sex wie im Pornofilm zu haben, brennen sich diese Bilder auf unserer Netzhaut und die Vorurteile in unseren Köpfen ein. So wunderbar unsere eigenen Erlebnisse auch sein mögen, bleibt immer die Frage, ob es nicht noch besser ginge.

Das perfekte Sexleben der großen Hollywoodfilme​

Im Grunde genommen verzerrt ja auch nicht nur diese eine Sorte von Film unseren Eindruck von der Realität. Blockbuster, in denen sie ihm hinterher eröffnet, nicht gekommen zu sein oder er mittendrin schlapp macht, sind rar. Falls es sie überhaupt gibt. Mal abgesehen von der unübertroffenen Meg Ryan, die ihrem Partner in „Harry und Sally“ öffentlich anschaulich demonstriert, wie leicht Frauen einen Orgasmus vortäuschen können. Ansonsten sehen wir meist als attraktiv zu bezeichnende Menschen, die hingebungsvoll den klassischen Weg gehen: Ein wenig Vorspiel, der große Akt und hinterher erschöpfte, aber glückliche Gesichter.

Wie erfrischend ist da doch eine Serie wie Californication, in der der Held Frank Moody zwar ein Liebhaber vor dem Herrn ist, ihm aber doch all der erotische Unbill der anderen immer wieder vor Augen geführt wird. Gleich in der zweiten Szene eröffnet ihm seine Geliebte, ihr Mann sei eine absolute Niete im Bett. Eine dreiviertel Stunde habe er ihre Klitoris mit der Zunge gesucht. Na immerhin. Wir hören, dass es auch andere trifft.

​Die Realität

Nun stellen wir uns doch einmal vor, wir könnten die Drehbücher für Pornofilme selber schreiben und sie mit all unserer erotischen Vielfalt füllen. Weg mit der Wunschvorstellung, her mit der Realität! Was mag da nicht alles passieren? Und wir müssen uns das wirklich bildlich vorstellen, sonst vergessen wir es im nächsten Moment wieder!

Lehne dich also zurück, schließe die Augen und lasse folgende Szenen auf deiner inneren Leinwand erscheinen:

  • Der Hauptdarsteller braucht so lange bis zu seinem Höhepunkt, dass seine Partnerin entnervt aufgibt und er selber Hand anlegen muss (Ejaculatio retarda/  verzögerte Ejakulation).
  • Der Hauptdarsteller ejakuliert bereits, bevor er seine Partnerin überhaupt berührt hat (Ejaculatio praecox/ vorzeitiger Samenerguss).
  • Der Hauptdarsteller kommt beim Eindringen oder direkt danach (Ejaculatio praecox/ vorzeitiger Samenerguss).
  • Der Hauptdarsteller/ die Hauptdarstellerin kommt gar nicht zum Orgasmus (Anorgasmie/ ausbleibender Orgasmus).
  • Der Hauptdarsteller kommt mehrmals hintereinander, ejakuliert jedoch erst beim letzten Mal (Multiple Orgasmen).
  • Das Sperma des Hauptdarstellers tröpfelt aus der Eichel anstatt herauszuschießen.
  • Der Hauptdarsteller kommt ganz ohne Ejakulation (Trockener Orgasmus).
  • Ein Penis wird im entscheidenden Moment nicht hart (Erektionsstörung).
  • Ein Penis wird zwischendurch schlaff (Erektionsstörung).
  • Ein Penis erreicht auch erigiert keine sieben Zentimeter (Mikropenis).
  • Der Hauptdarsteller bringt angetrunken oder volltrunken keinen Akt zustande (Alkohol).
  • Der Hauptdarsteller schläft während des Versuchs, Sex mit seiner Partnerin zu haben, einfach ein (Alkohol, Müdigkeit).
  • Der Hauptdarsteller hält den Orgasmus seiner Partnerin für wichtiger als seinen eigenen.
  • Der Hauptdarsteller hält seinen Orgasmus für völlig unwichtig und befriedigt lieber seine Partnerin.
  • Zwei schlafen einfach miteinander ein. Folge für Folge.
  • Ein Paar liegt mit seinen zwei Hunden im Bett. Ganz kuschelig. Sie haben schon lange keinen Sex mehr und sind glücklich.
  • Die Hauptdarsteller streiten sich, weil einer/ eine von beiden mehr Sex möchte als der/ die andere.
  • Der Hauptdarsteller nähert sich in eindeutiger Absicht seiner Partnerin und wird zurück gewiesen (sexuelle Selbstbestimmung).
  • Die Hauptdarstellerin gibt während des ganzen Aktes keinen Mucks von sich. Wir wissen nicht, ob es ihr gefällt, was da gerade passiert.
  • Die Hauptdarstellerin verzieht während des Verkehrs das Gesicht, weil sie unter Schmerzen leidet (Fehlende Lubrikation/ Feuchtigkeit).
  • Der Hauptdarsteller kann nicht in seine Partnerin eindringen, weil deren Vagina es nicht zulässt (Vaginismus/ Scheidenkrampf).
  • Der Hauptdarstellerin gefällt es gar nicht, was ihr Partner macht und gibt ihm dies auch deutlich zu verstehen (sexuelle Selbstbestimmung).
  • Die Hauptdarstellerin hat keine Ahnung, was ihr gefällt (sexuelle Unerfahrenheit).
  • Die Hauptdarstellerin legt sich hin und wartet darauf, dass ihr Partner weiß, was er zu tun hat (Erwartungshaltung).
  • Ein paar liegt eng umschlungen im Bett. Sein Penis befindet sich in ihrer Vagina. Nur ab und zu bewegt er sich für ein paar Stöße. Auf ihren Gesichtern liegt Ekstase (Slow Sex).

​Diese Liste könnten wir endlos fortsetzen. Das bedeutet auch nicht, dass es immer so sein muss oder sein soll. Aber alles das kann vorkommen und zeigt, wie unterschiedlich und variabel unsere Sexualität ist.

Anja Drews
 

Sexualität ist mein Gemüse! Ich liebe es, darüber zu schreiben und zu reden, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und ich möchte die Menschen inspirieren! Ob im Blog, im Podcast, im Onlinekurs, vor Publikum oder in der persönlichen Sexualberatung. Kein Thema ist vor mir sicher.

Ausführliche Informationen über mich findest du hier auf der Seite.

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