HPV-Impfung für Jungen: Das humane Papillomvirus betrifft alle!

​Wer spricht schon gern über sexuell übertragbare Infektionen (STI)? Sie sind kein erbauliches Thema, das wir ​auf einer Party oder in der Familienrunde auf den Tisch packen. Ganz besonders nicht, wenn es uns persönlich betrifft. Viel zu peinlich und beschämend. Das blenden wir lieber aus und beschäftigen uns stattdessen mit den Sonnenseiten der erotischen Betätigungen. 

​Aber hin und wieder schrecken uns die Schlagzeilen auf. Vor einiger Zeit geschah mir das mit Michael Douglas, der sich mit HPV, dem humanen Papillomvirus angesteckt hatte. Das allein wäre keine Schlagzeile wert gewesen, denn diese STI ist erstaunlich weit verbreitet. Nein, es war ​die Erkrankung, die er sich dadurch zugezogen hatte und vor allem auch den Grund, den er dafür verantwortlich machte. Der Schaupieler und Ehemann von Catherine Zeta-Jones ist an Kehlkopfkrebs erkrankt. 

Krebs durch Cunnulingus

Kehlkopfkrebs durch eine sexuell übertragbare Infektion? Ja, das kann tatsächlich passieren. Normalerweise bereiten uns diese Viren im Genitalbereich Ungemach in Form von Feigwarzen. Das ist schon unangenehm genug. Es können aber auch Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Schamlippen und Scheidenvorhof (Vulva), Scheide, Penis, After hervorgerufen werden. 

Durch ungeschützten Oralverkehr können diese Viren zudem in Mund, Hals und Rachen gelangen. 

Und Michael Douglas hatte laut Boulevardpresse jede Menge Oralverkehr mit offensichtlich sehr vielen verschiedenen Frauen. Je häufiger die Zunge ungeschützt in weiblichen Körperöffnungen verschwindet, desto größer ist auch die Ansteckungsgefahr. Wie umgekehrt natürlich auch. Für Mädchen gibt es allerdings schon seit einigen Jahren eine Impfung gegen HPV. Jetzt hat die Ständige Impfkommission auch für Jungen eine solche Impfempfehlung ausgesprochen.

Impfschutz als wichtigste Prävention

Vom Humanen Papillomvirus gibt es je nach Quelle  bis zu 170 verschiedene Typen. Einige verursachen die gefürchteten Feigwarzen. Das sind die sogenannten Niedrig-Risiko-HPV-Typen. Und andere wiederum können die erwähnten Gewebeveränderungen und damit schlimmstenfalls Krebs auslösen. Hierunter fallen die Typen 16 und 18, die zur Hochrisikogruppe gehören.

Jährlich erkranken 4.800 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. HPV findet sich aber auch in 9 von 10 Gewebeproben bei Analkarzinomen und etwa bei der Hälfte der Gewebeproben von Peniskarzinomen. 

Offiziell wird geschätzt, dass sich heute jeder sexuell aktive Mensch einmal in seinem Leben mit HPV infiziert. Eine Ansteckung verläuft in den meisten Fällen ganz unbemerkt, da das Immunsystem die Erreger bekämpft. Auch die Typen 16 und 18 können durch das Immunsystem wieder verschwinden.

Aber wenn es zu einer Erkrankung kommt, dann richtig:

  • Heute wissen wir, dass HP-Viren neben Feigwarzen Analkrebs, Peniskrebs, Vulvakrebs, Vaginakrebs und Krebsformen im Mund-Rachen-Bereich hervorrufen können.
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    Sie werden durch Geschlechtsverkehr, Analverkehr, Oralverkehr und selten auch während der Geburt übertragen
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    Durch die Impfung wird das Risiko, sich mit Feigwarzen, Krebsvorstufen an Vulva, Vagina und Gebärmutterhals anzustecken, minimiert. Zudem wird Haut- und Schleimhautveränderungen am Darmausgang vorgebeugt. 

Besserer Schutz durch frühe Impfung

Seit 2007 wird die HPV-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Mädchen zwischen neun und vierzehn Jahren empfohlen. Warum schon so früh? Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mädchen noch nicht mit den Viren infiziert hat.

Nun wurde mittlerweile erkannt, dass sich aber eben nicht nur Mädchen und Frauen mit HPV anstecken können. Auch Jungen und Männer sind betroffen. Die Übertragungswege sind selbstverständlich die gleichen. Genau deshalb sollen ab jetzt also auch Jungen von einer HPV-Impfung profitieren.

Zwei Spritzen im Abstand von sechs Monaten vor dem ersten Sex und schon sind wir auf der (fast) sicheren Seite. Für Selbstzahler ist die Impfung allerdings teuer. Mit 320 bis 480 Euro zu teuer für viele Eltern.

In der Altersgruppe neun bis vierzehn übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung. Zumindest bei den Mädchen. Für Jungen steht diese Übernahme noch aus. Aber daran wird gearbeitet. 

Und man kann die Vorsorge auch tatsächlich nicht nur auf die Mädchen schieben. Immerhin ist das Analkrebs-Risiko bei Männern, die Sex mit Männern haben, fast so häufig wie Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, so Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission. 

Mit Aufklärung die Impfquote erhöhen

HPV Impung Statistiken

Trotz der Kostenübernahme wurden bisher aber nur 39,5% der Mädchen mit einer vollständigen Impfung versehen. Es scheint an Aufklärung zu fehlen. „Mein Kind macht so etwas noch nicht“, mag auch ein Gedanke sein. Und so sind Mädchen mit einem hohen Sozialstatus laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts in der Gruppe der Geimpften weitaus weniger vertreten als Mädchen mit einem niedrigeren Sozialstatus.

Es ist wünschenswert, dass über die HPV-Impfung für beide Geschlechter besser aufgeklärt wird. Wir haben hier ein (fast) sicheres Mittel, einer Ansteckung auf eine einfache Weise vorzubeugen. 

Impfgegner allerdings sprechen nicht nur vom Impfschäden sondern auch davon, dass die Quote an durch HPV verursachten Krebserkrankungen nicht hinreichend gesenkt werden kann. Doch selbst wenn Penis-, Anal- oder Halskrebs sehr selten auftreten, so kann diese Impfung das Auftreten von Genitalwarzen erheblich verringern. Und das allein ist für mich schon Grund genug, eine Impfung in Betracht zu ziehen.

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Da es so viele verschiedene Typen von HPV gibt, kann trotz Impfung tatsächlich kein 100-prozentiger Schutz garantiert werden. Das darf man nicht vergessen. Wer sich wie Michael Douglas durch die bunte Welt der Vulvas leckt, sollte zusätzlich Dental Dams verwenden. Das sind spezielle Lecktücher aus ganz dünnem Latex, die auf die Vulva gelegt werden können. 

Allerdings sind vor allem junge Menschen von HPV betroffen. Da gefällt mir persönlich aus meiner Erfahrung als Sexualpädagogin und ehemals selber jungem Mädchen die Vorstellung einer Impfung weitaus besser als die von der Ausrüstung mit Kondomen, Pille und Dental Dams beim ersten Mal.

Anja Drews
 

Als Sexualtherapeutin und Sexualwissenschaftlerin unterstütze ich Menschen dabei, ihren ganz eigenen Weg in dieser wohl spannendsten und vielfältigsten Seite unseres Lebens zu finden. Meine Arbeit erfüllt mich mit großer Freude und begeistert mich immer wieder aufs Neue! Ausführliche Informationen über mich findest du hier auf der Seite.

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