Was ist der A-Punkt?

Die weibliche Lust ist mindestens so vielfältig wie die Tiefsee und vermutlich ebenso wenig erforscht. Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, das meiste jedoch entzieht sich zumindest wissenschaftlicher Erkenntnis.

Wieso erleben Frauen überhaupt Orgasmen? Und wie entstehen diese?

Vor allem dürfte die Frage lauten, wo entstehen sie? Es gibt Frauen, die allein kraft ihrer Gedanken zum Höhepunkt kommen. Es gibt Frauen, die gefühlt unterscheiden können zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus. Und es gibt Frauen, denen ein Höhepunkt auch mit intensivster Übung und leistungsstärksten Vibratoren so gar nicht zu gelingen mag.

Auf der erogenen Landkarte gibt es an oberster Stelle das Gehirn und weiter unten Brüste, Klitoris, G-Punkt, Muttermund oder den Anus. Uuuuuh, so viel Auswahl!

Und jetzt kommt der A-Punkt

Und nun taucht da auf einmal noch so ein Punkt auf der Landkarte der weiblichen Lust auf. Der A-Punkt.

Hm, noch nie gehört? Kein Wunder, er wurde erst 2003 entdeckt und fristet bis heute ein Schattendasein. Nebenbei bemerkt offenbarte sich die wahre Größe der Klitoris auch erst 1998 ganz überraschend bei der Obduktion weiblicher Leichen. Die australische Urologin Helen O’Connell und ihr Team müssen damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben! "Oh mein Gott, die Spitze des Eisbergs ist nur die Spitze des Eisbergs!"

 Und nein, dass dieses Kleinod aus weit mehr als dem kleinen Penökel am Anfang der inneren Vulvalippen besteht, hat sich auch noch lange nicht herumgesprochen.

Wofür steht das „A“ in A-Punkt?

​Das A vom A-Punkt kommt nicht von Anja, so gern ich das auch hätte. Der Namensgeber ist malayische Gynäkologe Chua Chee Ann. Dieser hat laut Überlieferung seinen frisch entdeckten Punkt Anterior Fornix Erogenous Zone genannt. Genau übersetzt heißt das „Erogene Zone des vorderen Fornix“. Was ist ein Fornix? Ganz ehrlich, das musste ich selber gerade erst einmal googeln. Ein Fornix ist der gewölbte Teil eines Organs. Ja, alles klar. Da hätte es ganz sicher keinen passenderen Namen gegeben (Achtung Ironie!). Das haben sich scheinbar auch andere gedacht und den Punkt in Deep Spot umgetauft. Tief. Tiefer. Und noch tiefer.

Interessant übrigens, dass schon wieder ein Mann seinen Anfangsbuchstaben für etwas hergibt, dass am Körper der Frau Lust bereitet. Ernst Gräfenberg steht ja schon für den G-Punkt. Helen O’Connell, das ist die mit der Klitoris, geht natürlich leer aus.

Der Entdecker des A-Punktes

Laut Wikipedia ist der gute Chua Chee Ann ganz zufällig bei einer Untersuchung über den A-Punkt gestolpert:

Die Berührung dieses Punktes tief in der Vagina hat bei seiner Patientin multiple Orgasmen hervorgerufen. Ganz ehrlich, wenn das hier in Deutschland passierte, würden gleich alle Amok laufen. Ich zumindest wäre stark irritiert, wenn mich meine Gynäkologin heute bei der Untersuchung zum Orgasmus gebracht hätte. Und dann auch noch zu multiplen? Ganz im Gegenteil gehöre ich allerdings auch zu den Frauen, die einen gynäkologischen Arztbesuch nicht unbedingt zum wöchentlichen Event machen möchten. Aber Schwamm beiseite, seien wir mal nicht so streng. Das ist ja auch nur eine Überlieferung und vielleicht war das alles doch ganz anders.

Wo befindet sich der A-Punkt?

A-Punkt

Wie der Name schon andeutet (wenn man richtig recherchiert und schlau kombiniert), befindet sich der A-Punkt im Inneren des weiblichen Genitals. Und zwar ganz weit innen in der Vagina kurz vor dem Muttermund.

Wenn ich das Autofahrenden erklären müsste, würde ich das so beschreiben: Rein in den Tunnel und erst einmal geradeaus. Vielleicht noch ein paarmal umdrehen und hin und her fahren. Wenn sich dann über Euch das Gewölbe verändert und die Decke etwas anschwillt, habt Ihr die G-Zone gefunden.

Wunderbar! Ein prima Wegweiser! Hier könntet Ihr ein paar Achten einlegen oder Kreise fahren. Aussteigen und ein wenig auf- und abspringen ginge auch. Das gefällt der G-Fläche.

Und dann geht es noch ein kleines bisschen weiter bis es eben nicht mehr weiter geht. Denn hier am Muttermund habt Ihr das Ende des Tunnels erreicht. Und kurz davor befindet sich der A-Punkt.

Ja, ich weiß, mein Vergleich hinkt etwas. Wenn sich G-Punkt und A-Punkt an der Decke des Tunnels befinden, kann man nicht darauf herumfahren. Logisch. Es sei denn, man hätte so einen Wagen, der beim Fahren die Decke berührt. Egal, mir gefällt das Bild.

Was ist das Besondere am A-Punkt?

Das Beste zum Schluss. Kommen wir zu dem, was der A-Punkt für die Lust der Frauen bedeutet. Aber da haben wir ein Problem. Denn ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Und ich erkläre auch gern, warum das so ist.

Man sagt, eine Stimulation an dieser Stelle würde die Lubrikation, also das Feuchtwerden, erhöhen. So eine Art pawlowscher Reflex wie das Sabbern vor der ungeöffneten Tafel Schokolade. Das klingt für mich allerdings nicht wirklich schlüssig. Wenn Frauen erregt sind, sondern sie über die Scheidenwände und die Bartholinschen Drüsen eine klare Flüssigkeit aus. Unser natürliches Gleitmittel sozusagen. Je erregter, desto mehr Flüssigkeit, wobei die Menge von Frau zu Frau und von Mal zu Mal variieren kann.

Wenn Berührungen gut sind, kann das natürlich die Erregung steigern. So geht das ja auch mit dem G-Punkt. Bei „Los, mach schon“ und nur Draufdrücken passiert da erstmal gar nichts. Wenn wir ihn allerdings vorsichtig locken und mit Berührungen bezirzen, füllt sich das Gewebe mit Flüssigkeit und voilá, schon kann die Post abgehen.

Meine Vermutung ist, dass die reine Beschäftigung mit dem ohnehin sensiblen und erogenen Scheideninneren zu mehr Erregung und dadurch zu mehr Feuchtigkeit führt.

Je mehr Aufmerksamkeit das weibliche Genital bekommt, desto besser. Und das geht mit den Fingern, der Zunge, einem Toy und dann auch mit dem Penis. Dabei darf man ja auch nicht vergessen, dass sich der Punkt nicht im luftleeren Raum befindet. Irgendwie muss man da ja rankommen und auf dem Weg dorthin wird eben auch die gesamte Vagina stimuliert.

Das spirituelle Erlebnis mit dem A-Punkt

Apropos Aufmerksamkeit für das weibliche Genital. Da gibt es ja etwas, das mein Herz erfreut und sich Yoni-Massage nennt. Yoni ist der tantrische Begriff für das gesamte weibliche Genital, also innen wie außen. Aus Gesprächen weiß ich, dass sich die Aufmerksamkeit im Liebesspiel häufig auf diesen weiter oben erwähnten kleinen Penökel, die Klitorisperle,  konzentriert. Aber da ist ja eben noch viel mehr. Und so eine Yonimassage, bei der Vulvahügel, äußere und innere Vulvalippen, Harnröhre, Vaginaleingang und die gesamte Vielfalt der Vagina so richtig verwöhnt werden, kann Wunder bewirken!

Die Frauenmasseurin Inari H. Hanel beschreibt den A-Punkt dabei als „Tor in die spirituelle Welt“. Sie berichtet von Frauen, die plötzlich helles Licht sehen. „Und sie tauchen weg … ganz in die eigene Tiefe. Haben Visionen und sehen bedeutsame Bilder, oft assoziiert mit fast religiösen Vorstellungen.“ Sie selber habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Nun vermag nicht jede Frau diese spirituelle Ebene zu erreichen. Aber da kann ich auch wieder nur von mir sprechen. Eine Yoni-Massage wiederum kann jede Frau mit Sicherheit genießen! Und das ist auch kein Teufelswerk, liebe Männer.

Yella Cremer hat dazu ein fabelhaftes Buch geschrieben! 

Yoni-Massage: Lust, Heilung und Intimität
  • Yella Cremer
  • Arkana
  • Kindle Ausgabe
  • Auflage Nr. 0 (22.10.2018)
  • Deutsch

Mein A-Punkt-Fazit

Irgendwie scheinen sich Kopf und Körper nicht immer einig zu sein. Das ist ähnlich wie bei dem Zusammenspiel von weiblicher Lust und Wissenschaft. Nur weil letztere keine eindeutigen Beweise für etwas findet, heißt das noch lange nicht, dass es nicht da ist.

Nehmen wir den G-Punkt. Oder G-Zone, je nach Geschmack. Gerade letzte Woche erst wurde mir aus chirurgischer Sicht eindringlich nahegelegt, dass es den G-Punkt nicht gäbe. Nicht aus organischer Sicht zumindest. Da sei einfach kein einzelnes Organ aufzufinden. Nichtdestotrotz erleben viele Frauen an eben jener Stelle ihres Unterleibs höchste Lustgefühle. Was bedeutet das jetzt?! Das sie sich das einbilden?

Oder nehmen wir den Muttermund, der mittlerweile auch in das mediale Interesse gerückt ist. Olivia Bryant, wieder so eine Australierin, ist die Mutter der Zervix-Lust. Die eine Frau empfindet die direkte Berührung an dieser Stelle als unangenehm und bei der anderen laufen die Tränen. Ach ja, das weibliche Genital. Ein ewiges Mysterium. Unerforscht, nicht erforschbar entzieht es sich jeder Logik. Aber zum Glück nicht der Lust!

Unser weibliches Genital wird von einem Nervengeflecht durchzogen. Und das ist an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich empfindsam. Und dann ist das auch noch bei jeder Frau anders und abhängig vom Grad der Erregung. Wunderbare Vielfalt, da wird es nie langweilig! Ich würde sagen, der Weg ist das Ziel. Und schaden kann eine Entdeckungsreise auf keinen Fall. Nur sollten wir uns dabei nicht unter Druck setzen sondern einfach genießen.

Anja Drews
 

Als Dipl.-Sexualpädagogin, Sexualtherapeutin und Sexualwissenschaftlerin unterstütze ich Menschen dabei, ihren ganz eigenen Weg in dieser wohl spannendsten und vielfältigsten Seite unseres Lebens zu finden. Meine Arbeit erfüllt mich mit großer Freude und begeistert mich immer wieder aufs Neue! Ausführliche Informationen über mich findest du hier auf der Seite.

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Anja

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